Ein traumhaftes Konzert ohne Publikum

vom: 22.06.2020

Liebe Freundinnen und Freunde der Kulturbühne Altes Lichtspielhaus e.V.,

es sollte ein Open-Air-Konzert werden. Eingeladen waren der Starcellist Radu Nagy und das Haydnquartett aus Berlin. Alles war gut vorbereitet, um u.a. die Corona-Bedingungen zu erfüllen. Das begrenzte Kartenkontingent von 80 Karten war schon zu Beginn der Woche fast ausverkauft. Dann machte die Unwetterwarnung ausgerechnet für Samstagabend einen Strich durch die Planung. Kurzerhand wurde das Konzert in den Saal der Kulturbühne Altes Lichtspielhaus verlegt und ein Live-Streaming über YouTube geplant. Zuschauer waren wegen des Lockdowns nicht erlaubt. Es bahnte sich eine völlig neue Erfahrung an, für den Veranstalter und die Künstler. Für Künstler sind Gage und Applaus gleichermaßen wichtig.

Dabei haben Radu Nagy und das Haydnquartett beides mehr als verdient.  

Um es vorweg zu nehmen, trotz der widrigen Umstände, kein Publikum, Hitze und Schwüle im Saal, bot das Quintett einen überragenden musikalischen Genuss.

Das Konzert begann mit Stücken von Rossini und Boccerini. Schon hier zeigte sich das solistische Können aller Akteure. Theresia May spielte souverän auch schwierigste Passagen auf ihrer wunderbaren alten Geige. Annegret Pieske, die den Part der 2. Violine übernahm, Andres Mehne auf der Viola und Randall Nordstrom am Kontrabass überzeugten durch ein wunderbares Zusammenspiel und mit überzeugenden Solopassagen.

Der Höhepunkt des Abends war das Cello-Konzert Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn. Hier zeigten das Quartett und vor allem der Cellist Radu Nagy ihre Großartigkeit. Der Schriftsteller und Lyriker Wolf Wondratschek hat sich einmal etwas despektierlich geäußert, als er sagte, die Geige habe nur Kontakt zur Wange, das Klavier sei nur ein Möbelstück. Aber das Cello! Darüber beugt sich ein Wahnsinniger. Der Wahnsinnige an diesem Abend war Radu Nagy. Er spielte die drei Sätze des C-Dur-Konzertes mit einer überragenden Fingerfertigkeit und einer wunderbaren Bogenführung. Es ist schon etwas Besonderes, einen Künstler wie ihn in Ebstorf live erleben zu können, für die meisten leider nur als Stream. Der geneigte Leser hat die Möglichkeit, sich dieses Konzert nun bei YouTube unter „Kulturbühne Altes Lichtspielhaus e.V.“ anzuschauen und sich selbst einen Eindruck zu bilden.

Nach der Pause ging es ebenso anspruchsvoll weiter mit dem Streichquartett Nr. 3 von Niccolò Paganini. Auch hier wurde allen Musizierenden das Höchste abverlangt. Das Konzert wurde schließlich beendet mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Für die Musiker war es schon befremdlich, sich nach dem Konzert vor leeren Sitzreihen zu verbeugen. Künstler brauchen den Applaus, wie Luft zum Atmen, aber natürlich auch die Gage, die sich an diesem Abend allein durch Spenden ergeben sollte. Als gemeinnützlicher Verein wird die Kulturbühne Altes Lichtspielhaus alle Spenden den Künstlern zukommen lassen.



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