Wolfgang Amadeus mal anders

vom: 03.07.2018

Die "Zauberflöte Hoch Zwei" auf der Kulturbühne Ebstorf

Von Monika Buhr

Im Frack trat Professor Schmedtmann als erster Vorsitzender der Kulturbühne Ebstorf vor den ausverkauften Zuschauersaal und bedauerte, mitteilen zu müssen, dass der Bus mit Künstlern und Orchester durch widrige Umstände verhindert ist und die Vorstellung ausfallen muss.

"Aber wir sind doch hier!", mit diesen Worten stürmten Inga Fuhrmann und Ulrich Kratz durch die Eingangstür und boten Rettung für alle an. "Wir haben es tausendmal gesehen und kennen die Arien, wir spielen einfach alle Rollen", war der scheinbar kurzfristig entwickelte Plan. Mit verschiedenen Figuren - etwa ein Frosch als Tamino, drei Barbiepuppen als Dienerinnen der Königin der Nacht - wurde dem Publikum angezeigt, wer gerade seine Rolle singt.

Völlig fasziniert von dieser einfachen, aber lustigen Lösung hatten die Akteure die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann gezogen.

Lacher blieben nicht aus, wenn die Dienerinnen im Gespräch mit Tamino diesem noch ein Bild von Pamina, der Tochter der Königin der Nacht, überreichen wollten. Da reichten die Hände von Inga Fuhrmann nicht aus und der Frosch fand einen Platz auf der Bühne oder auf Papagenos Arm. Ulrich Kratz sang in mit bunten Federn besetzter  Jacke nicht nur den Part, sondern verwandelte sich dank glitzerndem Tuch auch in Sarastro.

Ein Problem war natürlich die Ouvertüre zu Beginn, das Orchester und der Chor. Da half Teamkollege Jakob Fuhrmann aus. Technisch bewandert spielte er die Eröffnung ein. Hye Yeon Kim am Flügel führte mit ausdrucksstarkem, gefühlvollen Spiel durch den Abend. Sowohl der tosende Tod der gefährlichen Schlange und damit die Rettung des Prinzen Tamino gleich zu Beginn, als auch die fröhliche Begleitung des Vogelfängers Papageno gelang ihr hervorragend.

Für die Besetzung der Götter des Sonnenkreises auf Sarastros Burg wurden kurzerhand Zuschauer verspflichtet, die im wahrsten Sinnen des  Wortes tragende Rollen spielten und ihre Bedeutung auf Schildern anzeigten. Und auch für die Gefahren, die Tamino bestehen musste, um seine Geliebte zu befreien - Feuer und Wasser - sprangen die Zuschauer ein. Am Schluss gelang Tamino die Rettung Paminas und Papageno fand seine Papagena.

Ein außergewöhnlich beeindruckender Abend, der verdiente Standing Ovations bekam. Eine grandiose Leistung der beiden Darsteller, die ohne Technik knapp drei Stundenlang begeisterten.



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